Einmal Glasgow und zurück

Ein Praktikum gibt einem die Möglichkeit, gelernte Konzepte und Arbeitstechniken anzuwenden. Sie sind im Lebenslauf genauso gern gesehen wie Auslandsaufenthalte. Wer zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen will, verbindet beides miteinander und sammelt nicht selten Erfahrungen fürs Leben. Fritz Schulze, unser Auszubildender zum Mediengestalter in Werder, hat dies auch erkannt und verbrachte vier Wochen in Glasgow. Lesen Sie nun seine Eindrücke, die er während seines Auslandspraktikums gesammelt hat. “People make Glasgow! – A wee bit “cheers” and Bagpipe Sounds. Und plötzlich war ich wieder zu Hause.

Vier Wochen Auslandspraktikum in Glasgow vergingen wie im Flug.

Doch von Anfang an:

 

Wir haben Sonntag. Mit meinen beiden Koffern und einem Rucksack machte ich mich auf dem Weg auf die Insel und am Nachmittag stand ich schließlich vor einer Haustür. Es war ein Wohnviertel im Osten der Stadt und ich betrachtete die Häuser kurz, bevor ich die Stufen zur Klingel hochging. Das sollte also mein neues Zuhause sein. Als ich klingelte, machte nach einer kurzen Zeit eine kleine, breit grinsende und ein wenig aufgeregte Person die Tür auf, fiel mir gleich um den Hals und sagte „I’m so glad you’re here!“. Das war sie also, Anna aus Malaysia, meine Gastgeberin für die nächsten vier Wochen.

 

Am Montag wurden die Neuankömmlinge offiziell von "Light On The Path" begrüßt. Diese Organisation hat mir das Praktikum ermöglicht und den ganzen Ablauf gut vorbereitet. Von typisch schottischen Begriffen bis hin zu Ausflugszielen wurden wir gut auf die kommende Zeit eingestimmt. A wee bit „cheers“ würde übersetzt „Ein klein wenig danke“ heißen, denn „little“ und „thank you“ könnte man in Glasgow zwar sagen, aber die Bedeutung wäre noch lange nicht so unbekümmert und lebensfroh wie die Glasgower selbst. Am Dienstag hatte ich dann meinen ersten Tag bei MCR Pathways. Er fing mit einem Lächeln an und hörte mit einem brummenden Kopf auf. Zusammen mit Maren aus Lübeck wurde ich herzlich im Foyer der Mitchell Library begrüßt und in unser Büro gebracht. Hier lernten wir zum ersten Mal Elizabeth Anne kennen. Sie sollte für die nächsten Wochen unsere Ansprechpartnerin sein. In den nächsten vier Stunden bekamen wir, in feinstem schottischen Akzent, eine unglaublich detaillierte Einführung in MCR Pathways, dessen Unternehmensstruktur und dessen Motivation und Plan.

 

Zusammengefasst: MCR Pathways ist eine Charity-Organisation, die sich durch Sponsoren finanziert und sogenannte Mentoring-Programme für Schüler aller Altersgruppen anbietet. Dabei bekommt jeder Schüler einen Erwachsenen Mentor, mit dem er sich einmal in der Woche für 50 Minuten trifft. Der ehrenamtliche Mentor unterstützt seinen Mentee so gut es geht, wobei beide versuchen, die Schul- oder zukünftige Berufslaufbahn in die richtige Richtung zu biegen oder vorzubereiten. In den nächsten vier Wochen arbeitete ich an unterschiedlichsten Projekten. Ich gestaltete und überarbeitete Infografiken für ein Handbuch für Mentoren und Mentees. Außerdem gestaltete ich ein Werbeplakat für „Young Glasgow Talents“, so heißt das Mentoring-Programm von MCR. Dieses Plakat soll später in den Klassenräumen der umliegenden Schulen aufgehängt werden. Ich entwarf ein Mentee-Handbuch, eine Broschüre für Schüler, um das Vorhaben von YGT zu verdeutlichen. Hierzu gehörten wieder Infografiken, aber auch das Layout, inklusive Cover. Dazu bereitete ich Bilder für die Web-Nutzung auf der YGT-Homepage auf. Es wurde also nicht langweilig.

 

Eine Besonderheit ist, dass in Glasgow niemand einen eigenen Arbeitsplatz besitzt. Man arbeitet eben da, wo gerade Platz ist. So kann es auch schon mal vorkommen, dass man nach der Mittagspause seinen Laptop an einem ganz anderen Platz wiederfindet.

Neben der Arbeit standen aber auch viele kulturelle Ausflüge auf dem Plan. Am ersten Wochenende besuchten wir Edinburgh, schauten uns die Stadt an und kletterten auf den St. Athurs Seat, einen 251m hohen Berg am Ende der Royal Mile mit einem Ausblick vom Meer bis in die Innenstadt. Am Sonntag fuhren wir in die Highlands. Unser Weg führte uns durch beeindruckende Schluchten und über weite, grüne Wiesen. Am zweiten Wochenende besuchte ich abends das 2017 Royal Edinburgh Military Tattoo, geprägt von Massed Pipes and Drums und wundervoller Atmosphäre auf Edinburgh Castle. Am Tag danach besuchten wir Stirling mit dessen Burg und das William Wallace Monument. Bei 20°C und Sonne konnten wir von dort die Schafherden und Steinmauern von Schottland genießen. Am letzten Wochenende war klassisches Sightseeing in Glasgow geplant.

 

Und schon bin ich wieder zu Hause. Mal hat es geregnet, mal war es warm und sonnig. Wir sind viel gelaufen, haben viel gesehen und viel erlebt. Wir haben Erfahrungen fürs Leben gesammelt, Freundschaften geschlossen und uns zum Ende hin sogar schon ein wenig wie zu Hause gefühlt. Letztendlich ging es aber doch für alle wieder zurück in die Heimat. Mit einem Rucksack voll Erinnerungen und der Gewissheit, dass „People make Glasgow“, der Slogan der Stadt, nicht nur ein Marketingspruch ist.

Als Resümee lässt sich festhalten, dass mich das Auslandspraktikum einen großen Schritt nach vorne gebracht hat. Ich konnte mich in Sachen Beruf, Sprachkenntnis und interkulturellen Umgang mit Menschen weiterentwickeln und bin froh, dass ich diese Möglichkeit erhalten habe. Eine Möglichkeit, die eine Ausbildung und einen Auszubildenden auf jeden Fall bereichert.

 

Autor: Fritz Schulze